Wer möchte nicht gesund leben und doch süß schlemmen? Leider kam man da bisher nie am kalorienreichen, kariesfördernden Zucker vorbei. Und auch Süßstoffe beinhalten Erdölverbindungen, die nicht unumstritten sind.
Da macht seit geraumer Zeit ein Kraut von sich reden, welches bedenkenlos den Zucker vom Markt drängen würde, wären da nicht die harten EU-Bestimmungen. Diese würden heute Tomaten und Kartoffeln auch nicht mehr zulassen, da auch sie kiloweise verzehrt toxisch wirken ... aber ein „Auftragsgutachten der Industrie" versuchte genau damit, Verunsicherung bei den Politikern zu erzeugen, indem Ratten mit bis zu 70 Prozent ihres Körpergewichts mit Stevia gefüttert wurden – bis sie endlich krank wurden ... würde das gleiche mit z.B. Zucker gemacht, wären die armen Ratten schon lange vorher am Zucker gestorben. Trotzdem wird diese beschämende „wissenschaftliche" Arbeit immer herangezogen, um Stevia etwas schlechtes anhängen zu können – freilich ohne die Versuchsanordnung und Vergleichwerte zu erörtern.
Was ist nun Stevia? Es handelt sich um ein Kraut bzw. eine Staudenpflanze, die in Paraguay wächst und dort schon seit Jahrhunderten der Urbevölkerung Paraguays, Brasiliens und Argentiniens als Heilpflanze und zum Süßen von Tees dient, und von ihnen als Honigblatt bezeichnet wird. 1887 kamen dann die Europäer in Kontakt mit dieser Pflanze und es gibt jetzt 150 - 300 Arten davon. 1941 wurde sie wegen der Zuckerknappheit in England angebaut.
Stevia (rebaudiana) ist ein kleiner, ca 50 - 100 cm hoher Strauch (Korbblütler), mit vielen hell - dunkelgrünen, lanzettförmigen, 5-8 cm langen Blättern und weißen Blütenkörbchen. Die Wurzeln sind mehrjährig, ertragen aber keinen Frost, dringen nur 15 - 25 cm in Boden ein. Am Ende der Vegetationszeit stirbt der oberirdische Teil der Pflanze ab. Die Samen sind 3 mm groß. Die Pflanze ist ein Windbestäuber, anspruchslos, wächst auf feuchtem, grobkörnigem, sandigem und saurem Boden, liebt Temperaturen von 24 Grad. Damit sie üppiger und buschiger wird, kneift man im Sommer die Spitzen aus. Die Pflanze blüht von Oktober bis Februar (bitte ins Haus holen!), man erntet die Blätter Mitte bis Ende September. Überwintern sollte sie bei 15 - 20 Grad und hell, wenig gießen, wenig ernten. Die Pflanze zieht sich zurück und treibt im Februar neu aus.
Die getrockneten Blätter kann man jahrelang aufheben. Darin entdeckte man den süßen, wasserlöslichen Inhaltsstoff Steviosid, welches die 300fache Wirkung von Saccharose hat (50g Steviosid = 12,5 kg Zucker) und keinen Stickstoff und keine Kalorien enthält, dafür aber Eisen, Silicium, Cobalt, ätherische Öle etc. Bei innerlicher Anwendung wirkt Stevia verdauungsfördernd, gegen Müdigkeit und Pilzbefall sowie Zahnfleischbluten und Karies, es hilft beim Abbau von Übergewicht. Stevia kann jenen Menschen, die unter Diabetes, Neurodermitis, Zucker- und Sorbitunverträglichkeit oder Mucoviszidose leiden, ein Stück Lebensqualität zurückgeben. Äußerlich angewendet hält sie, als Maske verwendet, Haut und Haare jung und schön und hilft bei der Wundheilung. Stevia ist also im Gegensatz zu anderen Süßmitteln somit nicht nur gesundheitsfreundlich, sondern auch verbraucherfreundlich.
Die Blätter können in ihrem Ursprungszustand verwendet werden, gemahlen, gekocht, überbrüht oder in Alkohol ziehen lassen. Sie sind bis 200 Grad hitzebeständig, wirken
geschmacksverbessernd und auf Grund ihrer großen Süßkraft sind sie gering im Verbrauch. Die getrockneten Stevia-Blätter sind immer noch 15 - 30 mal süßer als Zucker.
Größter Verbraucher von Stevia ist Japan, wo seit 1954 Stevia angebaut wird. Dort sind seit 1969 synthetische Süßstoffe verboten. Daher stieg der Verbrauch vom natürlichen Stevia rapide, heute liegt der Marktanteil bei 40 -50 % (in Kaugummi, Fertignahrung, Sojasauce, Meeresfrüchte, Getränke).
Steviablätter können dem Tee zugesetzt werden, beim Überbrühen wird die Süße abgegeben, danach filtrieren. Oder man setzt es wie ein Gewürz (gemahlene Blätter) ein. Zum Backen eignet sich ein Flüssigextrakt: 50 - 150 g Blätter + ½ L Wasser kochen, 10 min köcheln, 30 min ziehen, filtrieren - grüne Flüssigkeit kann mehrere Wochen im Kühlschrank aufgehoben werden. Oder einfach nur kochendes Wasser über die Blätter gießen und dies 10 min ziehen lassen.
Anspruchsvoller ist die Herstellung mit Alkohol: Die Blätter werden in reinem Alkohol 24 Stunden eingelegt, dann abgefiltert und mit reinem Wasser verdünnt. Beim Kochen und backen macht es sich erst einmal erforderlich die Süßkraft nach und nach auszuprobieren, bevor man umrechnet. Aber bitte nie zu viel nehmen - dann wird ein leicht bitterer Nachgeschmack wirken.
Warum finden wir Stevia oder deren Extrakte nicht im Supermarktregal? Dabei ist es seit den 50ger Jahren bei Drogisten in der Schweiz recht bekannt, bei uns führten es Reformhäuser, Apotheken und Drogerien. Dann 1997 reichte ein Belgischer Professor bei der EU einen Antrag auf Zulassung von Stevia als neues Lebensmittel ein, der 1999 vom Lebensmittelausschuss abgelehnt wurde und 2000 veröffentlichte die Europäische Kommission ihren Entscheid über diese Verweigerung und verbot den Handel in Deutschland. Es wurden sogar Razzien bei Produktführern durchgeführt. Warum? Weil die gegenwärtige Informationslage und wissenschaftlichen Untersuchungen angeblich nicht ausreichend seien (www.europa.eu.int/comm/dg24/health/sc/scf/out34_en.html). Dabei lagen dem Antrag mehrere wissenschaftliche Arbeiten bei, die die gesundheitliche Unbedenklichkeit beweisen und in den letzten 40 Jahren sind weltweit keine Schäden am Menschen gemeldet worden. Die Untersuchungen auf Toxizität waren alle negativ, also weniger als bei Tomaten und Kartoffeln.
Die wahren Gründe werden sein: Stevia als Naturprodukt kann nicht monopolisiert werden, da sich wohl auch keine finanzkräftige Lobby findet, die eine Zulassung anstrebt. Die EU möchte den Binnenmarkt für Produkte aus Südamerika, China und Japan nicht eher öffnen, bis eigene Anbau- u. Verarbeitungskapazitäten aufgebaut sind. Und die Süßstoff- u. Zuckerindustrie scheinen Einfluss auf die Entscheidungsfindung der zuständigen Kommissionen zu nehmen, weil sie befürchten, dass dadurch der Zuckermarkt zerstört wird. Weltweit wurden Ende der 90ger Jahre 143 Millionen Tonnen Zuckerprodukte verbraucht; USA = 60%, EU = 17%, China = 15% und Japan nur 3%!! (Die restlichen 5% verteilen sich auf andere Länder der Welt.)
Diese „wirtschaftspolitischen Gründe" stehen also dem Verbraucherinteresse und der Verbrauchergesundheit gegenüber ....
Aufgrund der absichtlichen Verkaufs- und Handelsbeschränkungen, läßt sich in der EU das gesundheitsfördernde Süßkraut nicht als Lebensmittel legal erwerben, sondern nur auf dem Umweg zur Anwendung „dekorativer oder kosmetischer Zwecke".
Aber auch das bietet der Naturkosthandel seit kurzem endlich in Bio-Qualität an: Als ganze getrocknete Blätter, als pulverisierte Blätter sowie als Steviosid-Extrakt zum neutralen Süßen --- oh Verzeihung, natürlich nur für die Hautverschönerung im Badewasser ....denn die Versuche der Industrie, die mittlerweile umfangreiche Literatur über Stevia, in Form einer Vielzahl an köstlichen Rezepten und Gebrauchsanleitungen, zu unterbinden, konnten politisch nicht durchgesetzt werden. Wir sind doch schließlich nicht mehr im Mittelalter, wo Bücherverbrennungen zur Unterdrückung unliebsamen Wissens an der Tagesordnung war - oder?
Nun ist es soweit. Ab dem 3.12.2011 dürfen nun Steviolglykoside in einer speziellen Reinheit, als Lebensmittelzusatz
verwendet werden. (Mindestgehalt an Steviol-Glykoside 95%)
Alle anderen weitverbreitete Produkte sind weiterhin weder Lebensmittel noch Zusatz.
Datenblatt der EU: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2011:295:0205:0211:DE:PDF
Vorallem das RebA97% wird nun in den Regalen oder in vers. Lebensmittel landen. Allerdings für den Hausgebrauch
ist dieses Hochreine Pulver sehr schwer zu dosieren (Süßkraft 400 / Haushaltzucker)
Wir empfehlen daher weiterhin sogenanntes enzymveredeltes Stevia-Pulver - auch wenn dies, aufgrund seiner
sekundaeren Pflanzenstoffe (für die Gesundheit wichtig) rund 2-3% Steviolglykoside zuwenig enthält um als Lebensmittelzusatz
deklariert werden zu dürfen.